Flucht in die Zukunft

Egal ob Konsum, Migration, Politik oder Terrorismus, alles ist eine Flucht in eine bessere Welt, eine bessere Zukunft. Ich tue etwas in der Hoffnung, meinem Leben Sinn und Bedeutung zu geben. Für manche heißt das, viele, viele Güter anzuhäufen, andere bevorzugen nur ein bisschen mehr. Wieder andere hätten gerne die ganze Erde zu ihren Füßen und die Ehrgeizigsten wollen den Himmel für sich gewinnen.

 

Wo ist der Unterschied?

 

Wenn Sie ehrlich zu sich selbst sind, spüren Sie schnell, dass egal welchen Weg Sie einschlagen, ein Unterschied nicht erkennbar ist. Die meisten Menschen leben nicht im Hier und Jetzt sondern in einer Zukunft, die es nie geben wird. Wieso?

Weil jeder Sinn irgendwann aufgebraucht ist. Weil jede Hoffnung nur geboren wird, um wieder zu sterben. Weil jedem Mehr ein neues Mehr folgt. Weil der letzte Neuanfang seinen Zauber verliert. Weil alle Stufen sich auflösen. Weil der Mensch in 40 Jahren der Gleiche ist, wie vor den 40 Jahren.

Das ist für viele nur schwer zu verinnerlichen, deshalb hier ein paar Beispiele.  

Sklaven des Kapitals

 

Die Sklaverei ist ein Bestandteil der Erde seit tausenden von Jahren. Sie definiert sich durch Erniedrigung, Aussaugen, Verachtung und Ausbeutung. Vom alten Ägypten, über die Römer und Griechen der Antike, zum Orient im Mittelalter und schließlich bis zum gebildeten Westen heute, hat sich die Sklaverei gut erhalten und floriert beständig.

Heute sind es die Textilfabriken in Bangladesch und die Elektronikfabriken in China. Es sind Bauern in Afrika und Indien. Es sind Prostituierte in Thailand, Vietnam und hundert anderen Ländern. Es sind Putzfrauen, Arbeitslose, Ungebildete und Austauschbare. Früher entstand der Zwang durch Gesetze, Angst, Ketten und Peitsche, heute sind es Armut, Hunger, Würdelosigkeit, Angst und Verzweiflung.

Und, wo ist der Unterschied?

 

Die Krümel für die Massen

 

Das unterwürfige Verhalten auf der Erde hat sich genau so wenig verändert wie die Sklaverei. Seit tausenden von Jahren gibt sich die große Mehrheit der Menschen einer Minderzahl zum Untertan. "Lang lebe der König!"

Der König hatte früher Paläste und Armeen, heute sind es Wolkenkratzer und Waffenfabriken. Früher wurden Ernten und Tiere abgeführt, später Steuern und heute reicht dem König seine Dividende. Früher gab es Aufstände und Bürgerkriege als Schein der Selbstbestimmung, heute sind es Demonstrationen und demokratische Wahlen. Der Krümel für die Masse ist immer noch der gleiche geblieben. Darauf können sich alle Menschen, in Ihrem großen Ärger, einigen.

Ist jetzt ein Unterschied da?

 

Versunken in das eigene Schwert

 

Religionen sind immer noch die große Hoffnung der Massen. Ob viele oder ein Gott, auch heute noch ist alles zu haben. Und sie alle funktionieren immer nach dem gleichen Muster – das ewig gleiche Hamsterrad in verschieden grellen Farben. Der Mensch gibt sein Leben im Jetzt auf und hofft auf ein besseres Leben im Himmel, in der Zukunft oder im nächsten Leben. Egal ob der Garten Eden, die 40 Jungfrauen, die höhere Kaste oder das Verlassen des Körpers, alles erfordert ein Sinken auf die Knie. Ein Beugen und Verbeugen, eine Aufgabe und ein Loslassen des eigenen Seins für eine bessere Zukunft. Es ist eine langsame, grausame Selbstzerfleischung, Kreuzigung, Opferung. Und das ist nichts Schlimmes oder Verwerfliches, es ist das Leben auf der Erde in einer ständigen Wiederholung.

Oder sehen Sie einen Unterschied?

 

Der Ritter im bunten Weiß-Schwarz

Als großer Retter im wehenden Gewand, wurde immer die Erschaffung einer hohen Kultur auserkoren. Kunst, Musik, Architektur, Poesie, Spiel und Schauspiel sind die erhofften Ritter in weiß, die jede Epoche der Menschheit retten sollte und soll.

Kunst beginnt jedoch immer noch beim Zeichnen, Musik entsteht aus Schwingung, Gebäude werden aus Eisen, Holz und Stein erschaffen. Prosa wird aus Worten gebildet, Spiele haben die gleichen Regeln und Arenen, und das beliebteste Schauspiel ist immer noch das Drama. Schaut man genauer hin, wird der weiße Ritter immer dunkler, denn das Mehr wurde nie erschaffen.

Wo ist nur der Unterschied geblieben?

 

Jedes Mal wenn Sie aufstehen und frühstücken, sind das zwei Sachen, die Ihnen den ewigen, gleichen Kreis auf der Erde verdeutlichen. Das Bewusstsein spricht Sie direkt an: „Alte(r), guten Morgen, schon wieder dieses Aufstehen, schon wieder dieses Frühstücken.“

Die Klarheit ist immer vor den eigenen Augen und die Wahrnehmung beginnt immer nur bei einem selbst. 

 

Land in Land

 

Zurück zur Flucht in die Zukunft.

Migration ist die Flucht in eine bessere Zukunft, die es nicht gibt, solange Sklaverei und Ausbeutung existieren.

Ein Flüchtling kann sich in einem neuen Land niemals wohl oder angekommen fühlen, wenn sein Weggang erzwungen war, also eine Flucht war. Das liegt in der Realität, im Bewusstsein von Flucht. Ich will nicht weggehen, ich will nicht woanders leben, aber ich kann nicht mehr hier leben. Niemand verlässt gerne sein Land, aber sie tun es als Massenantrieb, um Bewusstsein zu bewegen.

Flüchtlinge sagen also nie: „Schön, dass ich hier bin, ich weiß, hier habe ich eine bessere Zukunft.“ sondern „Ich wollte nie weggehen, aber zu Hause gab es keine Zukunft, also verzweifle ich lieber in der Fremde.“

Integration kann jedoch nur funktionieren, wenn Einer im neuen Land sein will. 99% wollen das nicht. Also erzeugen die verzweifelten Menschen eigene Länder in fremden Ländern: Klein-Türkei in Deutschland, Französisch-Marokko in Paris, China-Town in San Francisco, Islamischer-Staat in Syrien sind nur ein paar Beispiele.

 

Die dunkle Seite des Mondes

 

Wir einheimische Westler beanspruchen, die Guten, die weißen Ritter zu sein, aber wir sind die dunkle Seite des Spiels. Wir sind die Sklaventreiber, wir bauen unsere Freiheit auf Geld, Wohlstand und somit Ausbeutung auf. Die dritte Welt war als Ressource irgendwann nicht mehr ergiebig genug, also haben wir angefangen, im eigene Land zu plündern.

Und so finden sie sich wieder einmal zusammen, die große Masse an Flüchtlingen und Armen, die Lahmen und die Blinden und sie alle schreien nach einem größeren Krümel.

Viele Eliten mit dem dunklen Mutter-Theresa-Komplex wollen hier schnell doch noch der wahre Retter werden und gießen mehr Öl ins Feuer. Denn wer hilft und gibt, ist Teil vom Spiel, denn er nimmt und saugt von der versteckten Seite. Die Theresas unter uns erzeugen die Illusion von Bedürftigkeit, von erwachsenen Kindern, die alle Hilfe benötigen. Die in diesem fremden Land lernen müssen, wie man endlich glücklich wird, weil sie es vorher nie waren. Dadurch unterdrücken, beugen, zwingen und saugen sie aus. Nach drei Jahren beschweren sich die Gut-Menschen, wieso sich der Flüchtling, der Arme, der Lahme und der Blinde nicht selbst tragen kann. "Ich habe ihn doch so lange durch die Welt getragen und jetzt ist er immer noch nicht selbstständig."

Was also machen?

 

Geld ist genug da, was fehlt, ist Bewusstsein

 

Nichts.

Sitzen Sie da und nehmen Sie wahr. Bleiben Sie geduldig und schauen Sie dem Spiel zu. Bewusstsein öffnet sich von alleine. Die Erde braucht keine Rettung, hat Sie noch nie gebraucht! Sie ist da, um Wahrnehmung zu ermöglichen. In jedem Atemzug, in jeder Erfahrung, in jedem Leid und in jedem Lächeln steckt das ganze Sein, die ganze Weisheit, das ganze Wissen und alle Zeit der Welt. 

Atmen und wahrnehmen.

Das Leben ist kein Test, die Probleme sind keine Probleme, alles ist Fluss, alles ist Erfahrung, alles ist Wahrnehmung.

Ich weiß, ich bin gerade ein wenig schnell vorangeschritten. Vom Kopf hin zum Gefühl und das Menschliche in Ihnen fühlt sich etwas überfordert.

Aber auch der Kopf kann es leicht verstehen: Auf der Erde gab es noch nie einen Mangel. Egal, was Sie anschauen, Geld, Nahrung, Ressourcen sind im Überfluss vorhanden. Was es einzig gibt, ist ein Schein von Mangel.

Um diesen Schein aufrechtzuerhalten, muss ich auf der anderen Seite Konsum, Ausbeutung und Verschwendung erzeugen. Das Eine gibt es nicht ohne das Andere, das ist die Definition von Dualismus.

Dualismus löst sich nicht auf indem man versucht, die eine oder andere Seite zu stärken. Mehr Gerechtigkeit löst Ungerechtigkeit nicht auf. Mehr Gleichheit löscht Ungleichheit nicht aus. Mehr von etwas lässt nie das Weniger verschwinden.

Einzig Bewusstsein vereint die beiden Seiten zu einer.

 

Da sitzen Sie nun, Sie armer Tor, seit Tausenden von Jahren vor dem immergleichen Text. Nie waren Sie mehr, nie waren Sie weniger, immer nur Sie, immer ganz Sein.

Und schon wieder schauen Sie nicht hin, denn die Zukunft blendet Sie erneut.