Existenzangst

Der passende Text zur passenden Zeit aus meinem zweiten Buch.

Die Existenzangst ist eine Urform der Angst. Auf der Erde gibt es sie schon sehr lange, aber auch in vielen anderen Seelenräumen lässt sich ihre Wirkung fühlen.
Die größte Angst, als Beispiel, einer jungen Seele auf der anderen Seite des Vorhangs, ist, nicht mehr zu existieren. Atmen und fühlen, Sie alle kennen diese Angst. Da große Energie und Bewegung in der Existenzangst liegen, ist sie für viele bewusste Wesen ein beliebtes Werkzeug.
Wie manch ein Leser aus dem ersten Buch weiß, finde ich Angst überflüssig und für die Arbeit auf der Erde nicht mehr notwendig. In meinem Bewusstsein ist es mehr als ausreichend, über das Leben und den Tod zu grübeln, über Schlafen und Aufwachen. Wenn Sie wahrnehmen können, dass Sie in jedem Augenblick sterben können und somit in diesem Augenblick auch tot sind, wofür brauchen Sie dann noch die Angst davor?
Mir ist jedoch klar, sonst würde ich diese Zeilen nicht schreiben, dass Menschen gerne den Tod und alles, was mit Ihm verbunden ist, in weite Ferne rücken. Wir Menschen lieben Verdrängung und Ablenkung. Und deshalb kommt die Angst für viele sehr gelegen.
Also lassen wir sie hinein.

Damit dies gelingt, müssen Sie sich zunächst im dichten Nebel Ihres Kopfes drehen und sich schließlich tief darin verlieren.
Was ist vor dem Leben? Was geschieht nach dem Leben? Wieso bin ich hier? Was mache ich überhaupt noch hier? Will ich mein restliches Leben immer nur das Gleiche tun? Ja, ich existiere, aber ich kann mich nicht erinnern, wie es dazu kam. Auf einmal war ich ich. Wenn es einfach so kam, kann es dann auch so einfach wieder verschwinden? Kann es? Und wenn das geht, was ist das dann? Die große Leere? Ein großes Nichts? Das große Un-Bewusstsein? Die große Un-Wahrnehmung? Wenn es die Fülle gibt, dann muss es doch auch das leere Nichts geben. Oder?
Und, ist sie da, die Existenzangst?

Natürlich ist sie da, es ist ihr Wesen, genau dann aufzutauchen, wenn Sie voller Selbstzweifel sind. Der Zweifel am Sein, am „Ich bin“, ist ein Synonym von Existenzangst. Atmen und wahrnehmen.
Lassen Sie diese Angst da. Es ist diese Angst, die Religionen, Ausbeutung und Kriege gestaltet hat. Damit wir sie verstehen, damit wir verstehen. Angst und Verzweiflung bringen Menschen und Seelen dazu, alles zu machen. Sie bewegen Berge an Licht und an Dunkelheit, um eine Veränderung zu erzwingen, um die Angst zu bezwingen. Wir werden menschlich unmenschlich, kalt und grausam, machtvoll und liebevoll, aber nichts vertreibt sie. Verdammte Angst vor dem Nichts, vor Sinnlosigkeit und Nicht-Sein.
Diese Leere und das Nichts will ich Ihnen gar nicht wegnehmen. Die sollen bleiben. Es ist eine schöne Arbeit damit. Auch in diesem Buch werden Sie immer wieder darauf stoßen.
Was ich aber auflösen werde, ist die Angst davor.
Stellen Sie sich vor, es wäre tatsächlich so – nach Ihrem Tod würden Sie sich nicht mehr erinnern und es würde Sie nicht mehr geben. Sie wären aufgelöst. Wieso dann Existenzangst empfinden? Sie sind ja nichts und Sie gehen zu nichts. Wieso nagt so etwas Komisches an Ihnen? Nehmen Sie sich 4 Minuten Zeit und fühlen Sie nach.


Existenzangst kann nur zeigen, dass es Sie gibt, dass Sie existieren, nie das Gegenteil. Sonst wäre sie, wie manche von Ihnen erkannt haben, nicht da. Es würde sie nicht geben. Sie würde nicht existieren. Sie wäre genauso ein Nichts, wie das, was Sie vielleicht werden.
Wir haben uns die Existenzangst also nur gestaltet, um wahrzunehmen, wer wir sind, dass wir sind, dass Ich bin. Diese Angst ist der positive Pol, zu Ihren negativ geladenen Selbstzweifeln. Nur anstatt das zu bemerken, machen wir, die Schwere und Ablenkung liebenden Menschen, sie zu einem Grund für noch mehr Drama: „Oh, ich hatte so viele Selbstzweifel und dann kam auch noch Existenzangst dazu, am liebsten hätte ich mich sofort umgebracht.“ Wirklich? Und wieso hast du‘s nicht gemacht? Weil blöderweise das Wort Existenz-Angst, nicht nur aus Angst besteht.
Und so löst es sich langsam auf, das Meisterstück der Angst. Die Angst brauchen Sie nicht mehr, arbeiten Sie mit dem Wort „Existenz“. Es trägt die gleiche Sein-Energie und das gleiche Bewusstsein. Es wird Sie genau so stark bewegen und Ihren Aspekten wird es deutlich schwerer fallen, die Existenz ohne die Angst zu manipulieren.