Der Vergleich

Er drängt sich aus Neid und Gelüsten hervor,

gewinnen, das lässt er nie einen.

„Ich würde ja gerne,“ so tönt er empor, 

„doch Menschen, die wollen bloß weinen."

 

Er schlingt wie die Schlange um Werte herum,

für alle hier kennt er die Skala.

Gewinnen, verlieren, es geht nicht darum,

der Kreis ist der Tanz seiner Gala.

 

Er wälzt sich in Drama, Verzweiflung, Verdruss,

entfacht die Verbohrtheit der Menschen,

und breitet sich aus mit Begier und Genuss,

was kann man sich schöneres wünschen?

 

In Abscheu ertrunken, erreicht ist sein Ziel,

die Wunden verspricht er zu lecken.

Das lässt ihn bejubeln, wie sehr ihm gefiel,

Bewusstsein zu Boden zu strecken.

 

Ein Atmen, ein Fühlen, das Sein kommt heraus,

klammheimlich so ging es durchs Leben.

Verdrängt, doch dennoch es baute ein Haus,

in das wir uns schüchtern begeben.

 

Hier drinnen, da gibt es den Kreisel nicht mehr,

„Nie wieder.“ verspricht man verlegen.

Denn Streben nach Mehr peitscht die Seele umher,

und selten ist Weisheit zugegen.

 

„Ich wünschte, ich hätte das früher gewusst",

die Zweifel verbissen beklagen.

Das Sein, das antwortet klar und bewusst:

„Ich Liebe mich. Schluss, mit dem Nagen.“

 

Es bleibt nichts mehr übrig vom alten Vergleich,

wer sollte uns darum beneiden?

Er schmeichelte jedem, als wär‘ er nur weich,

doch lachend – verteilte er Leiden.

 

Januar 2018