März - Mai

2020

This dual role under one sun
it has no wrong, it has no right,
it simply turns from dark to light
until you say – I am – all done.

 

 

Dualismus

Licht versucht seit Anbeginn,
die Dunkelheit zu töten.
Nie geschah der Machtgewinn –
die Einsicht wär vonnöten.

Licht ist immer selbstgerecht
und stoisch angewidert.
Dunkelheit, im Wesen schlecht,
ist nahtlos eingegliedert.

Böses schafft den Schmerz der Trennung
und alle müssen büßen.
Gutes lechzt nach Anerkennung,
Gehässigkeit lässt grüßen.

Niemals wird die Gute Tat
Bedürftigkeit vermeiden.
Niemals wird ein schlechter Rat
den besseren beneiden.

Dualismus – Erdenspiel,
so lang in unseren Händen,
versprach mit jedem Wachstumsziel
die Krise zu beenden.

So weit, so gut und doch nie ganz,
die Menschen hüpfen weiter
den unwürdigen Eiertanz –
geweiht dem Spitzenreiter.

Dann irgendwann ist man soweit
und Akzeptanz schwingt sich hinein –
und alles, gleich in Gültigkeit,
verinnerlicht das Sein.

 

März 2020

Yes, you’ll die anyway

You can die
everyday.
You can die
anywhere.
Résistance –
nom de guerre –
but you’ll die
anyway.

Death is not
optional.
Death is not
malleable.
You can rule –
disobey –
death will win
anyway.

Life instead
flexible,
tags along.
Children play.
Older ones –
sensible –
know it ends
anyway.

Live aware
come what may,
unaware,
anxiously,
doesn’t matter
actually –
you chose death
either way.

März 2020

Les Périssoires, G. Caillebotte 1878
 
Die unendliche

Der Kopf

Dem allerersten Atem, dem letzten angereiht,
gelang es wahrzunehmen, in bildloser Gestalt,
die Existenz der Dinge, getrennt vom Selbsterhalt
und pendelnd aufgehängt an Regungslosigkeit.

Die Existenz, der Halt im nächsten Niedergang,
verinnerlicht den Schmerz, der Endlichkeit erfand
und scharf herniederstreckt außer Rand und Band
den altbekannten Weg mitsamt dem Neuanfang.

Das Sein bewahrt unmöglich, möglich wird erhalten,
im Schein des scheinbar Schlechten – gute, alte Zeiten,
die jedem festen Griff so mühelos entgleiten –
der Mensch erschafft ein Werk voll sinnloser Gestalten.

Gedankenprozession als andauerndes Sprechen
legt weiches, warmes Herz in harte, kalte Ketten –
trotz Trauertherapie und tausender Tabletten –
lässt erst der Wimpernschlag den Kopf zusammenbrechen.

März 2020

Enge

Angst

Rot – der Schreck durchfährt die Glieder,
das Blut verweigert seine Pflicht
zu kreisen, um zu stärken immer wieder
bis der Lauf zusammenbricht.

Und auch das Feuer trägt die Farbe,
der Kirschen Blüte Festgewand,
verheilter Schnitt als Spur der Narbe,
Verlegenheit – wie wutentbrannt.

Doch lieber blass, der Angst ergeben,
befehligt zieht die Masse mit –
zum Angriff aufgereiht, dann eben –
voran – bedrängt vom letzten Schritt.

Im Sein verkümmert, wider Willen,
gespenstisch krächzend – Atemnot –
dem alten Holz vertiefter Rillen
genügt der Funken – wieder rot.

März 2020

Was ist Wahrheit?, Nikolai Nikolajewitsch 1890

Master of the obvious

Master of the obvious, I’ll make a fool of me
for everywhere I look, there’s nothing there,
nothing that would justify comfort or despair –
the earth is, simply put, another place to be.

You come alone – you live until you die
alone again, you come again, you live,
you die again. You play, you take, you give
the ones you leave are always left to cry.

A simple game, not hard to see. The blind
have blessed the narrowest impression,
never forced to ever ask another question –
you tag along – no one cares – humanity is kind.

One day awake, the game will vanish gloriously.
Imprisoned by the freedom, justice will prevail
and realize, there never was a fighting chance to fail –
and yet you tried. That’s how it was and how it is – obviously.

 

April 2020

Offensichtlich

Die Wahrnehmung im Wesen
ist stets die Einfachheit.
Gedanken, Grübeln, Thesen
betäuben hilfsbereit.
Und Taubheit bunkert Drama
im schweren Schwarzen Loch –
dort kreisen Angst und Karma,
nein, oder, aber – doch.

Zu sehen heißt zu sehen.
Was ist, ist das, was ist.
Das höhere Verstehen
ist spiritueller Mist.
Die Klarheit sagt:
„So ist es.“ und
keiner wird gefragt –
im Keim erstickt
der Widerspruch, der
nur am Zweifel nagt.

Die Krankheiten der Wut,
Verschlossenheit der Zahlen,
die Furcht im Tanz mit Mut,
die Macht aus Landtagswahlen –
Geldnot, Klopapier –
Häuser, Küchen, Waffen,
den Raum, die Zeit, das Hier –
der Mensch hat sie erschaffen.

Verflucht und zugenäht,
wie überaus empfindlich,
was man sich eingesteht,
wird plötzlich – offensichtlich.

 

April 2020

Achtsam

Calculus – welch großes Wort,
oh Mann, was soll das heißen.
Rechnen – vielleicht oder nein,
oder doch – der Kopf fährt fort –
nun bloß zusammenreißen…
Angstanfall. – Halt! – Kieselstein.

April 2020

Viel zu wenig

Wer die Ruhe nicht verspürt
in der Einsicht „Es genügt.“,
die das Wenige verbreitet,

der muss aufgewühltes Viel
überfordert von dem Spiel
in das Spärliche begleiten.

Von der prallen Welt umringt,
wird die Aufgabe erschwert,
denn das Reiche wird verehrt,
ist doch logisch! – Unbedingt.

Deshalb soll im steten Mehr
irgendwo auch Ruhe sein –
immer schlau im Nachhinein,
geht es weiter – hinterher.

April 2020

Der Lehrling

Schusterwerkstatt, Max Liebermann 1881

Grün – ein Grashalm trotzt dem Winde,
leise, biegsam ganz und gar,
zäh wie grobe Eichenrinde,
anspruchslos, verwechselbar.

Einzigartig, Teil der ganzen
gleichförmigen Erdenpracht,
tanzt der Lehrling alter Pflanzen
unaufhaltsam – Tag und Nacht.

Sinn betrübt die Gegenwart,
einfach sein im Hier und Jetzt
scheint unmöglich – zu begabt,
tief dem Grübeln ausgesetzt.

Schon verlangt das stete Brauchen
aufzunehmen alle Mühen –
Klappe zu und untertauchen –
keiner lehrt ihn – wieder grün.

 

Mai 2020